POL-HRO: Arztpraxen im Visier von QR-Code-Betrügern - mindestens 230.000 Euro Schaden

Nr.6346570  | 07.09.2026  | PP HRO  | Polizeipräsidium Rostock

Landkreis Rostock (ots) -

Gleich zwei Arztpraxen im Landkreis Rostock sind in den vergangenen Wochen mit einer Betrugsmasche ins Visier unbekannter Tatverdächtiger geraten. In einem Fall entstand ein Schaden von rund 230.000 Euro. Dabei nutzten die Tatverdächtigen gefälschte Bankanschreiben mit QR-Codes und gaben sich anschließend am Telefon als Bankmitarbeiter aus.

Im ersten Fall erhielt die Praxis Mitte August ein Schreiben, das augenscheinlich von ihrer Hausbank stammte. Über den darin enthaltenen QR-Code gelangte die Geschädigte auf eine gefälschte Banking-Seite. Anschließend riefen die unbekannten Tatverdächtigen an und gaben sich als Bankmitarbeiter aus. Auf dem Telefon der Geschädigten wurde dabei die tatsächliche Telefonnummer der Bank angezeigt.

Unter dem Vorwand, eine verdächtige Kontoverbindung überprüfen beziehungsweise rückgängig machen zu müssen, veranlassten die Täter die Geschädigte zur Freigabe mehrerer Zahlungsvorgänge über ihre TAN-App. Nach bisherigem Ermittlungsstand wurden zahlreiche Überweisungen und Lastschriftvorgänge zugunsten unterschiedlicher Zielkonten ausgelöst. Der bisher ermittelte Vermögensschaden beläuft sich auf rund 230.000 Euro.

Anfang September wurde eine weitere Arztpraxis im Landkreis Rostock auf vergleichbare Weise angegriffen. Auch hier ging zunächst ein postalisches Schreiben mit einem QR-Code ein, der zu einer täuschend echt aussehenden Internetseite der vermeintlichen Bank führte. Anschließend folgte der Anruf eines vermeintlichen Bankmitarbeiters. Der Geschädigte schöpfte bereits während des Telefonats Verdacht und informierte die Polizei. Nach jetzigem Stand konnten dadurch Teile des überwiesenen Geldes gesichert werden. Wie hoch der entstandene Schaden insgesamt ist, ist derzeit Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Wer ein solches Schreiben erhält oder von einem vermeintlichen Bankmitarbeiter kontaktiert wird, sollte sich nicht unter Druck setzen lassen und den Vorgang zunächst prüfen. Ein QR-Code, ein professionell wirkendes Schreiben oder sogar die auf dem Display angezeigte Telefonnummer der eigenen Bank sind kein sicherer Beleg dafür, dass tatsächlich die Bank Kontakt aufnimmt.

Die Polizei empfiehlt:

- QR-Codes in unerwarteten Bankanschreiben nicht vorschnell
scannen
- Bei einem verdächtigen Anruf auflegen und die Bank selbst über
eine bekannte Telefonnummer kontaktieren
- Keine Zugangsdaten, TANs oder Zahlungsfreigaben an vermeintliche
Bankmitarbeiter weitergeben oder auf deren Aufforderung
bestätigen
- Bei einem Betrugsverdacht sofort die Bank informieren und
schnellstmöglich Anzeige bei der Polizei erstatten

In beiden Fällen wurden Strafverfahren unter anderem wegen Betruges, des Abfangens von Daten sowie des Ausspähens von Daten eingeleitet. Die Ermittlungen des Kriminalkommissariats Güstrow dauern an.

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