POL-NB: Sechs Bürgerinnen und Bürger für Zivilcourage geehrt

Die Geehrten erhielten eine Medaille, eine Urkunde sowie Blumen als Anerkennung ihres Engagements Details anzeigen
Die Geehrten erhielten eine Medaille, eine Urkunde sowie Blumen als Anerkennung ihres Engagements
Die Geehrten erhielten eine Medaille, eine Urkunde sowie Blumen als Anerkennung ihres Engagements
Die Geehrten erhielten eine Medaille, eine Urkunde sowie Blumen als Anerkennung ihres Engagements
Nr.6295717  | 16.06.2026  | PP NB  | Polizeipräsidium Neubrandenburg

Anklam (ots) -

"Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern der Sieg über sie." (Nelson Mandela)

Unter diesem Leitgedanken ehrte der amtierende Leiter der Polizeiinspektion Anklam, Kriminaloberrat Michael Kath am gestrigen Montag (15.06.2026) insgesamt sechs Bürgerinnen und Bürger. Die Auszeichnung für Zivilcourage stellt in der Polizeiinspektion Anklam eine langjährige Tradition dar und würdigt Menschen, die in kritischen Momenten nicht wegsehen, sondern Verantwortung und Mitgefühl beweisen. Die feierliche Veranstaltung fand zum ersten Mal in diesem Jahr statt und wird unabhängig vom "Tag der Zivilcourage" am 19. September durchgeführt, um mit den Menschen zeitnah nach den Ereignissen ins Gespräch zu kommen und das Erlebte in einem geschützten Rahmen zu besprechen. Dabei stehen die Geehrten stellvertretend für die vielen "stillen Helden" im Landkreis Vorpommern-Greifswald.

In seiner Ansprache an die mutigen Helferinnen und Helfer betonte Kriminaloberrat Michael Kath, dass das Überwinden der eigenen Unsicherheiten die Grundlage unseres demokratischen Zusammenlebens widerspiegelt:

"Zivilcourage erfordert Haltung, Werte und den Mut, sich einzumischen. Wer Zivilcourage zeigt, beweist nicht, dass er frei von Angst ist - sondern dass er diese Angst in den Hintergrund stellt, wenn ein Mitmensch in Not ist. Die heute Geehrten haben genau diesen Mut bewiesen: Sie haben Haltung gezeigt, Verantwortung übernommen und sich eingemischt, als es darauf ankam. Sie sind ein unschätzbares Vorbild für unsere Gesellschaft."

Die mutigen Helferinnen und Helfer schilderten anschließend im Gespräch, wie sie auf die Gefahrensituationen aufmerksam wurden und wie sie den Menschen in den kritischen Lagen helfen konnten.

Die geehrten Personen und ihre Taten im Überblick:

Mann rettet junge Familie vor Angreifer

Am 28.11.2025 bedrohte ein Mann mit einer Axt eine junge Familie am Anklamer Bahnhof. Der Täter verfolgte die fliehende Familie bis zu einer Apotheke. Herr Kaatz und sein Bruder befanden sich in den Räumlichkeiten, als die verängstigte Familie hineinrannte und darum bat, die Tür zu schließen. Als der Angreifer die Apotheke mit dem Beil in der Hand betrat, fackelte Stefan Kaatz nicht lange: Er schubste den Angreifer entschlossen aus der Tür und drängte ihn in Richtung des Busbahnhofs zurück, wo kurz darauf die Polizei eintraf. Durch dieses mutige Eingreifen konnte Schlimmeres verhindert werden.

(siehe Pressemitteilung vom 28.11.2025: https://wwvv.presseportal.de/blaulicht/om/108747/6168420)

Hinweis der Polizei: So vorbildlich das Handeln von Herrn Kaatz war, gilt stets der Appell: Der Eigenschutz muss an erster Stelle stehen, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen.

Frauen helfen bei körperlichem Übergriff

Am 09.10.2025 gingen drei Frauen, Anja, Regina und Jana Nehmzow, ungehindert auf die andere Straßenseite zu ihrer Nachbarin und halfen ihr, als sie Geschrei von dieser und ihren beiden Kindern durch ein geöffnetes Fenster wahrgenommen haben. Der alkoholisierte Täter schlug mehrfach mit Fäusten auf die Frau ein und obwohl sie schon aus dem Haus geflohen war, unterließ er die Angriffe auf sie nicht.
Erst als die Frauen sich zwischen die beiden Parteien drängten und den Beschuldigten mutig von der Geschädigten wegdrängten, ließ dieser von ihr ab. Zudem kümmerten sich die drei Damen fürsorglich um die beiden verängstigten Kinder und nahmen vorübergehend den Hund der Familie in Obhut.

Insbesondere dieser Fall im nachbarschaftlichen Umfeld zeigt: Wir sind im Alltag aufeinander angewiesen. Ohne aufmerksame Mitbürger oder Nachbarn, die hinhören und entschlossen dazwischengehen, wären manche Betroffene schutzlos ausgeliefert. Umso mutiger, dass die drei Frauen sofort reagiert und nicht weggesehen haben. Gerade im Kontext gewalttätiger Übergriffe im sozialen Nahbereich braucht es mehr Sichtbarkeit und die Botschaft an die Betroffenen: Ihr seid nicht allein.

Junge hilft Rentnerin

Am Abend des 22.01.2026 bewies der 13-jährige John Weiß bemerkenswerte Reife. Er traf im Anklamer Stadtpark auf eine ältere Dame, die angesichts der winterlichen Witterung viel zu leicht bekleidet war. Er sprach sie an und begleitete die Seniorin hilfsbereit zu ihrer vermeintlichen Wohnanschrift, die knapp 1,5 Kilometer entfernt lag. Da die Frau die Tür nicht öffnen konnte und John Zweifel kamen, wählte er folgerichtig den Polizeinotruf 110.
Die eintreffenden Beamten stellten gemeinsam mit einem zeitgleich suchenden Pflegedienst fest, dass die 83-Jährige inzwischen in einer Pflegeeinrichtung lebt. Dank Johns schnellem und umsichtigem Handeln konnte sie wohlbehalten zurückgebracht werden.

(siehe Pressemitteilung vom 23.01.2026: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/108747/6202371)

Mitarbeiterin eines Supermarktes verhindert Betrug

Am Nachmittag des 14.01.2026 bewies Kerstin Warnke, Verkäuferin in einem Anklamer Supermarkt, ein geschultes Auge für ihre Mitmenschen. Ihr fiel ein 60-jähriger Kunde auf, der ungewöhnlich viele Gutscheinkarten im Wert von insgesamt 475 Euro erwerben wollte. Sie sprach den Mann sensibel an, hörte ihm aufmerksam zu und erkannte sofort die Muster einer typischen Betrugsmasche. Frau Warnke informierte umgehend die Polizei und bewahrte den Kunden so vor einem erheblichen finanziellen Schaden.

Direkt im Anschluss an die Übergabe der Urkunden, Medaillen und Blumen entwickelte sich eine tiefgründige Gesprächsrunde zwischen den Geehrten und dem amtierenden Inspektionsleiter, indem es um das Agieren in Extremsituationen sowie der Verarbeitung des Erlebten ging. Kriminaloberrat Michael Kath sprach den Anwesenden zudem seinen tiefsten Dank für das Engagement aus:

"Zivilcourage zeigt sich in den unterschiedlichsten Formen - ob man anderen Menschen in Notsituationen aktiv hilft, die Polizei über ungewöhnliche Beobachtungen informiert, sich Tätermerkmale einprägt oder sich als Zeuge zur Verfügung stellt. Egal welche Form: Wer Zivilcourage zeigt, erkennt, dass sein Handeln oder Nicht-Handeln die Gemeinschaft prägt. Für dieses selbstlose Engagement und Ihr beherztes Eingreifen danke ich Ihnen im Namen der Polizeiinspektion Anklam von ganzem Herzen."

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