Nicht unter Druck setzen lassen

Warnt Eure Eltern und Großeltern!

„Rate mal, wer hier spricht!“ – Der Enkeltrick und andere Betrugsmaschen

„Herzlichen Glückwunsch! Sie haben 250.000 EUR Bargeld gewonnen!“ Wer würde sich nicht über einen derartigen Gewinn freuen? Jedoch ist bei derartigen und ähnlichen Anrufen stets Vorsicht geboten: Habe ich tatsächlich an einem Gewinnspiel teilgenommen? Handelt es sich bei dem Anrufenden um einen Vertreter eines seriösen Unternehmens?

Denn Fakt ist: Täglich gehen bei der Polizei Anzeigen aufgrund von Trickbetrug ein. Die Legenden, die die Betrüger ihren Opfern auftischen, sind dabei äußerst vielfältig. Mal ist es der Enkelsohn, der dringend Geld für den Kauf einer Wohnung benötigt, mal ist es ein hoher Gewinn, für den jedoch vor der Ausschüttung Gebühren gezahlt werden müssen. Die Anzeigen der Polizei nehmen seit Jahren zu. Allein im ersten Halbjahr 2019 wurden bereits 830 Fälle von derartigen Trickstraftaten polizeilich bekannt. Dies sind 118 Fälle mehr als im Vorjahreszeitraum. Erfreulicherweise blieb es aber bei 798 von den 830 angezeigten Fällen beim Versuch. Dennoch ist bei den 33 vollendeten Trickstraftaten im ersten Halbjahr 2019 ein Schaden von knapp 440.000 Euro zu beklagen.

Um nicht auf Trickbetrüger hereinzufallen, ist es wichtig, die gängigen Maschen zu kennen. Daher wird im Folgenden ein Einblick in die drei typischsten Begehungsweisen der Trickbetrüger gegeben:

Nach wie vor ist der klassische Enkeltrick die häufigste Betrugsmasche in Mecklenburg-Vorpommern. Fast jeder zweite angezeigte Trickbetrug entfällt auf diese Variante. Mit den Worten "Rate mal, wer hier spricht" oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger bei meist älteren und allein lebenden Personen an, geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Computerkauf. Die Lage wird immer äußerst dringlich dargestellt. Oft werden die Betroffenen durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt. Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt.

Hat der Betroffene die geforderte Summe nicht parat, wird er gebeten, unverzüglich zur Bank zu gehen und dort den Betrag abzuheben. Nicht selten ruft der Täter sogar ein Taxi, wenn das Opfer den Weg nicht mehr zu Fuß bewältigen kann. Auf diese Weise haben Enkeltrick-Betrüger in der Vergangenheit bereits Beträge im fünfstelligen Eurobereich erbeutet.

Immer wieder werden bei der Polizei auch Betrugsversuche angezeigt, bei denen sich der bzw. die Täter als Polizisten ausgeben. Am Telefon versuchen sie, ihre Opfer unter verschiedenen Vorwänden dazu zu bringen, Geld- und Wertgegenstände im Haus oder auf der Bank an einen Unbekannten zu übergeben, der sich ebenfalls als Polizist ausgibt. Dazu behaupten die Betrüger beispielsweise, dass Geld- und Wertgegenstände bei ihren Opfern zuhause oder auf der Bank nicht mehr sicher seien oder auf Spuren untersucht werden müssten. An der Haustür schrecken sie nicht davor zurück, gefälschte Dienstausweise vorzuzeigen, um sich Zutritt in die vier Wände ihrer Opfer zu verschaffen.

Teilweise nutzen die Betrüger bei ihren Anrufen eine spezielle Technik, die auf der Telefonanzeige der Angerufenen die Polizei-Notrufnummer 110 oder eine andere örtliche Telefonnummer erscheinen lässt.

Immer wieder werden auch falsche Haftbefehle polizeilich bekannt. Dabei fordern die Betrüger ihre Opfer per Post oder E-Mail dazu auf, höhere Geldstrafen zu zahlen, da ansonsten die Inhaftierung drohe.

Eine leider häufiger erfolgreiche Masche in Mecklenburg-Vorpommern ist die der falschen Gewinnspielversprechen. Hierbei fordern die Betrüger ihre Opfer dazu auf, eine Gegenleistung zu erbringen, zum Beispiel „Gebühren“ zu bezahlen, kostenpflichtige Telefonnummern anzurufen oder an Veranstaltungen teilzunehmen, auf denen minderwertige Ware zu überhöhten Preisen angeboten wird. Die Anrufer sind meist in Gesprächsführung gut geschult und wirken überzeugend. Um ihre Opfer in falscher Sicherheit zu wiegen, geben sie vor, im Auftrag von Rechtsanwälten und Notaren anzurufen und teilen den angeblichen Gewinnern eine Rückrufnummer für die weitere Gewinnabwicklung mit.

Melden sich die „Gewinner“ darauf hin bei den „Notaren“ oder „Rechtsanwälten“, werden sie dazu aufgefordert, angeblich angefallene Kosten zu zahlen, bevor sie den Gewinn entgegen nehmen können, zum Beispiel Rechtsanwalts-, Notar-, Bearbeitungs- oder Zollgebühren, Transport- oder Versicherungskosten. Dabei geben die Täter klare Zahlungsanweisungen: Sie schicken ihre Opfer beispielsweise zur Post, um die angeblichen Kosten – häufig eine Summe von mehreren hundert bis über tausend Euro – zu überweisen, zum Beispiel per Bargeldtransfer. Oder sie fordern ihre Opfer dazu auf, Prepaid-Karten für Online-Käufe, wie zum Beispiel Ukash oder Paysafecard zu erwerben, mit denen man auch Geld ins Ausland überweisen kann. Diese Karten gibt es als Gutscheine an vielen Tankstellen sowie in Einzelhandelsgeschäften. Mit dem Ukash- beziehungsweise Paysafecard-Gutschein erhält der Käufer eine individuelle Nummer. Diese Nummer ist quasi Bargeld, denn wer sie hat, kann damit im Internet einkaufen. Deshalb erfragen die Betrüger unter einem Vorwand die Gutschein-Nummer bei ihren Opfern, um damit im Internet auf Einkaufstour gehen zu können.

Ist der Angerufene kritisch und nicht so leicht zu überzeugen, üben die Täter massiv Druck aus und drohen nicht selten mit „Konsequenzen“ wie zum Beispiel einer Strafanzeige, wenn das Opfer nicht zahlen will.

Zahlt das Opfer dagegen, melden sich die Täter immer wieder erneut, um unter verschiedenen Vorwänden weiter Geld zu fordern. Den versprochenen Gewinn allerdings bekommen die Opfer nie zu Gesicht. Und das Geld, das sie überwiesen haben, ist weg.

Die vorgetäuschten Szenarien der Trickbetrüger sind äußerst vielfältig. Die beschriebenen Maschen sind daher eher als Beispiele zu verstehen. Doch ganz egal, ob der vermeintliche Verwandte in Geldnöten anruft oder ein angeblicher Polizist mit falschem Dienstausweis vor der Tür steht: Die Polizei hat einige Tipps zusammengestellt, die helfen, nicht auf Trickbetrüger hereinzufallen:

  • Der wichtigste Tipp gleich zu Beginn: Übergeben Sie niemals Geld an Fremde!
  • Geben Sie niemals Details zu ihren finanziellen und familiären Verhältnissen gegenüber Fremden preis.
  • Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald Ihr Gesprächspartner Geld von Ihnen fordert.
  • Holen Sie sich Rat bei Ihrer Familie oder einem guten Freund unter der Ihnen bekannten Nummer. Häufig ist der beste Schutz vor Betrügern, mit Nahestehenden über das Telefonat, den Brief oder den Besuch zu reden und sich darüber auszutauschen.
  • Informieren Sie die Polizei über den Notruf 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt.

 

Seien Sie misstrauisch!

Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis!

Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen! Legen Sie einfach auf!

Übergeben oder überweisen Sie niemals Geld an unbekannte Personen!

Verständigen Sie beim geringsten Zweifel die Polizei!

Aktuell:  "Rate mal, wer hier spricht!"

 

        Hier zur Audiodatei "Enkeltrick".

Hier noch ein Video eines Trickbetrugs vom LKA M-V.

https://www.youtube.com/watch?v=-jBvfItNQ1s